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Bill
Gates' Win-Win Scenario for CPAs Microsoft sees business systems consulting in small firms' future. by Richard J.Koreto (Redakteur des Journal of Accountancy) Anmerkung von R.Wittsiepe Die nachfolgende Darstellung ist eine Zusammenfassung des Originalartikels, den ich mit freundlicher Genehmigung des Autors hier wiedergebe. Das JoA plant eine Online-Ausgabe, in der auch das Interview mit Bill Gates veröffentlicht werden soll. Sobald diese Online-Ausgabe vorliegt, wird ein entsprechender Link zum Originaltext an dieser Stelle erscheinen. Falls Sie sich zu den Thesen von Bill Gates äußern wollen, senden Sie bitte eine email. Bill Gates sieht die Umsatzentwicklung in den traditionellen Bereichen "Steuerberatung" und "Prüfung" schrumpfen, während das Potential im Segment "Unternehmensberatung" deutlich ansteigen wird. B.G.: "The real risk is not doing anything." Als Beispiel führt er kleine und mittelständische Unternehmen an. Diese können mit relativ preiswerten EDV-Programmen ihre Buchhaltung selber machen, sie benötigen aber Beratung, wie sie ihr Unternehmen weiter auf den Wachstumspfad halten und insbesondere wie sie Technik einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Da die Unternehmer ein Geschäft führen, haben sie keine Zeit sich um die Technik zu kümmern, sie werden demnach diese Information "einkaufen", d.h. sich beraten lassen. Nach Ansicht von Gates sind Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die idealen Kandidaten, um diese Beratungsleistung zu erbringen. Dafür sprechen folgende Gründe: 1. WP und StB kennen ihre Mandanten ganz genau, vor allem aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen. 2. Der Mandant vertraut seinem Berater. 3. Es gehört zum Tagesgeschäft des WP und StB kosteneffektive Problemlösungen anzubieten. Deshalb besteht die Strategie nach Gates darin, zu diesen vorhandenen Fähigkeiten und Marktvorteilen das technische Wissen hinzuzufügen. Daraus resultiert eine "winning combination". Ein solches Beratungsangebot durch WP und StB ist im Markt praktisch nicht zu schlagen. Die Mehrzahl der Unternehmen in den USA (auch in D) sind kleine Unternehmen, z.T. Familienbetriebe (USA 7.1 Mio. Kleinbetriebe, davon 4 Mio. Betriebe mit weniger als 5 Mitarbeitern). Die kleine und mittelständische StB und WP-Kanzlei ist der ideale Beratungspartner für diese Unternehmen. In den USA haben die "Big Six" im Jahre 1996 43 % ihres Umsatzes durch "Unternehmensberatung" erwirtschaftet, während dieser Anteil bei den kleinen und mittelständischen Kanzleien nur 5 % betrug. Hier ist enormes Potential zu sehen. Bill Gates sieht die Zukunft der Kanzlei in der Einführung des Internet. Bill Gates: "The Internet is the most exciting technological development for CPAs or any businessperson today". Die Perspektiven bestehen nicht nur in der Beratung der schon vorhandenen Mandanten der jeweiligen Kanzlei in der Ausstattung und Einführung der neuen Informationstechniken, sondern auch im Entstehen neuer Prüfungsfelder, die sich mit der Abwicklung von Geschäften im Internet befassen. Das Thema einer sicheren Transaktion ist ein Beispiel. Die Firma Microsoft sowie andere führenden Softwareunternehmen werden innerhalb weniger Jahre Anwendungen auf den Markt bringen, die Probleme der Sicherheit und Übertragungsgeschwindigkeit lösen sowie eine Vielzahl zusätzlicher Anwendungsmöglichkeiten bieten. Anmerkung von R.Wittsiepe: Es ist bemerkenswert, daß sich Bill Gates persönlich mit der Strategie für kleine und mittlere StB und WP-Kanzleien überhaupt beschäftigt. Dies zeigt, welcher Stellenwert Microsoft der Allianz mit dem AICPA einräumt. Die Thesen von Bill Gates treffen in vollem Umfang auf den deutschen Markt zu. Standardisierte Beratungsleistungen werden immer mehr von Maschinen übernommen und die Entwicklung wird vor der Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung nicht anhalten. Man betrachte nur, wie die Rationalisierung und der Ersatz menschlicher Berater durch Maschinen im Bereich der Banken massiv Einzug hält. Bill Gates zeigt deutlich auf, wo die Wachstumschancen liegen. Die von ihm genannten Marktvorteile des Berufsstandes und das schon vorhandene Wissen und Können muß noch um einige Fertigkeiten ergänzt werden, um eine "winning combination" zu erreichen. Für Deutschland sehe ich Probleme, ob die von Bill Gates vorgeschlagene Strategie mit dem Berufsrecht bzw. der Stellung als "freie Berufe" in Einklang zu bringen ist. Die Amerikaner haben damit anscheinend überhaupt kein Problem. Jedenfalls ist das Angebot einer "technischen Beratungsleistung" für die Einführung von Internet bei unseren Mandanten eher eine gewerbliche Tätigkeit. Nach meiner persönlichen Einschätzung werden unsere Kammern aktiv an der Erschließung dieses Wachstumsmarktes für unseren Berufsstand nicht mitwirken. Die Stellung als "freier Beruf" oder die traditionellen Ansichten in diesem Kreis werden ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Nachteile weitergeführt. Nach einem "Sinn" einer solchen Haltung oder nach einer "Zukunftsorientierung" wird hier nicht gefragt. Es wird deshalb einigen findigen Kollegen vorbehalten bleiben, die Entwicklung auf die Zukunftsmärkte zu betreiben. Leider geht dabei viel Zeit mit unsinnigen Auseinandersetzungen verloren, die im Wettbewerb kaum aufzuholen sind. Allerdings möchte ich auch deutlich feststellen, daß die WP-Kammer vielleicht doch in eine andere Richtung denkt. Die Stellungnahme zur Zulässigkeit einer Internet-Präsentation durch die WP-Kammer im Dez. 1996 war vorbildlich und bahnbrechend, da sie viele noch zögernde Kollegen dazu bewegt hat, den Schritt in die Richtung der neuen Medien zu gehen. Eigentlich ist es paradox, daß der Berufsstand sich selbst von einem der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahre aussperren will, obwohl er gerade wegen seiner Stellung als "freier Beruf" Wettbewerbsvorteile hat. Bill Gates zeigt diese Vorteile deutlich auf. Aus meiner Sicht bestünde der Ansatz darin, über zusätzliche Dienstleistungen, die mit einem freiwilligen "Bestätigungsvermerk" enden, z.B. Anforderungen an Interent-Systeme, nachzudenken. Für ein solches neues Marktsegment müßte es auch möglich sein, eine "technische Beratungsleistung" zu integrieren. Ein Mandant wird eine solche technische Beratungsleistung immer im Zusammenhang mit einer "konzeptionellen" Beratungsleistung anfragen. Und wenn man sich jetzt noch überlegt, daß zu diesem gesamten Komplex Beratung und Schulung der Mandanten gehört, dann erfaßt man vielleicht die Dimension dieses Marktes. Dabei könnte ein Schulungsangebot auch in die vorhandene Struktur der Ausbildung durch IdW,Kammer,Verbände eingegliedert werden. Eine mittelständische oder kleine Kanzlei wird die notwendige Kapazität auf dem Schulungssektor selbst kaum vorhalten können. Ein solcher Weg würde auch einen Kollisionskurs mit der Stellung als "freier Beruf" verhindern. |